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Die Geschichte von Capoeira

Die Anfänge


Pedro Alvares CabralIm Jahr 1500 landete der Portugiese Pedro Álvares Cabral (Bild rechts) in Brasilien, das in den folgenden Jahrhunderten eine Kolonie Portugals sein wird. Die neuen Herren des Landes begannen, die einheimischen Indianer zu versklaven, um sie auf ihren Plantagen einzusetzten. Sie machten jedoch schlechte Erfahrungen damit: die Indianer starben in der Sklaverei... Zudem verbot die katholische Kirche die Versklavung von Indios, um deren Missionierung nicht zu behindern. Man begann damit, Sklaven von der anderen Seite des Atlantiks, aus Afrika, einzuführen. Angehörige verschiedenster afrikanischer Kulturen wurden zusammen in die Sklaverei in ein neues Land geschickt, ihre Zahl betrug je nach Quelle zwischen 2,3 Millionen und 18 Millionen.

Sklaven auf den ZuckerrohrfeldernDer größte Teil der Sklaven arbeitete auf den Zuckerrohrfeldern im Nordosten Brasiliens. Missachtungen der Vorschriften wurden mit Folterungen und Verstümmelungen bestraft, Auspeitschen gehörte zum Alltag. Ein Sklave überlebte in der Regel nicht läger als 5 Jahre.

Die Kultur der Afrikaner wurde durch Auseinanderreissen der Stammesgemeinschaften und Familien zerstört, nur in der Religion konnten sich verschiedene Elemente erhalten. In der Form der afrobrasilianischen Religionen, wie Candomblé, Umbanda und Macumba überleben sie bis heute. Die religiösen Riten der Sklaven waren stets mit Gesängen, Rhythmen und Tänzen verbunden. Auf größeren Plantagen, wo sich auch größere Gruppen gleicher Stammeszughörigkeit zusammenfanden, bot sich in diesen Ritualen Raum zur Verständigung untereinander und damit zur Organisation von Widerstand.

Die einzige Möglichkeit der Sklaverei zu entkommen, bestand aus der Flucht in die unbekannten Wälder im Landesinneren, in die sich die Portugiesen kaum hinein wagten. Ein Überleben in den Wäldern war nur in der Gemeinschaft möglich. Die Entflohenen sammelten sich in den quilombos, einer Art Wehrdorf. In der Regel überdauerten diese Wehrdörfer nie mehr als einige Monate, jedoch in den Wäldern von Palmares, weitab der portugiesischen Siedlungen, entstanden quilombos, die die Bedingungen für langfristiges Überleben boten.

 

Palmares


Gegen Ende des 16. Jahrhunderts brachten etwa 40 Sklaven das Gut, auf dem sie arbeiteten, unter ihre Gewalt und machten sich auf einen langen Gewaltmarsch in die Wälder von Palmares. Die ersten entflohenen Sklaven in Palmares errichteten auf der serra da barriga, dem "Bauchhügel", den ersten quilombo, genannt Macaco ("Affe"), die spätere Hauptstadt von Palmares. Bis 1630 nahm die Bevölkerung ständig zu, jedoch stellte sie noch keine Gefahr für die Portugiesen dar.

1630 griffen die Holländer Pernambuco an und brachten es in ihren Besitz. Während der Kriegstage gelang vielen Sklaven die Flucht. Durch die Stärkung Palmares', der Gründung neuer quilombos und dem zunehmend offensiveren Verhalten der Palmarinos wurden weitere Sklaven zur Flucht ermutigt.

Zumbi dos PalmaresMilitärische Offensiven der Holländer gegen Palmares blieben erfolglos. Auch die Portugiesen, die 1654 Pernambuco zurückeroberten blieben erfolglos. Erst 1694 wurde Palmares geschlagen; dem letzten König, Zumbi (Bild links), gelang mit den Überlebenden die Flucht in den Urwald, er wurde ein Jahr später von den Portugiesen getötet.

Die Grundsteine der Capoeira wurden in der Zeit Palmares' gelegt. Neben dem Gebrauch von Waffen war die waffenlose Kampfkunst eines der Hauptinstrumente, mit denen die Schwarzen ihren Gegnern widerstanden und ihnen zusetzten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde deswegen die Capoeira und andere kulturelle Ausdrucksweisen der Schwarzen verfolgt und unterdrückt. Die Capoeira wurde nur noch im verborgenen auf den Zuckerrohrfeldern und in den Armenvierteln der Städte ausgeübt.

 

1850
Heute: Aus dem Untergrund in die Academias


Im 19. Jahrhundert war Capoeira zwar offiziell verboten, jedoch setze man z.B. auch vorzugsweise Polizisten ein, die Capoeira beherrschten. Als 1865 Brasilien zusammen mit Argentinien und Uruguay in den Krieg gegen Paraguay eintrat, wurden Battalione von Capoeiristas geschaffen, viele davon gewaltsam in den Straßen Rios zwangsrekrutiert. Sie sollten die feindlichen Schützengräben mit der blanken Waffe nehmen.

Auch in den innenpolitischen Konflikten wurden die Capoeiristas eingesetzt, vorwiegend in Rio. Sowohl Monarchisten als auch Republikaner bedienten sich der verschiedenen Capoeira
Trupps. Diese Trupps waren eher Straßen
Banden als organisierte Capoeira
Schulen, Capoeira war Straßenkampf. Die Kämpfe der Banden mischten sich mit Konflikten der weißen Eliten. Einzig in Salvador de Bahia bildeten sich keine Banden, die Capoeira behielt ihre ursprünglichere Form.

Im Jahr 1888 wurde die Sklaverei in Brasilien abgeschafft. Die Mehrheit der Schwarzen blieb jedoch am Rande der Gesellschaft, ohne Arbeit und Unterkunft. Viele wurden in die Kriminalität gedrängt, die Capoeira wurde gleichgesetzt mit Kriminalität und Marginalität. Trotzdem rekrutierten viele Angehöhrige der Oberschicht ihre Leibwächter aus den entstehenden Capoeira
Schulen.

Im Laufe der Jahre wurden die Capoeira
Schulen, die academias stillschweigend geduldet, so auch die academia Mestre Bimbas, einem der Väter der heutigen Capoeira.

Mestre Bimba1932 gründete Bimba (eigentlich Manoel dos Reis Machado, Bild links) die erste offizielle Akademie. 1937 führte er die noch immer verbotene Capoeira zusammen mit seinen Schülern vor dem Gouverneur Brasiliens vor. Die Vorführung war ein voller Erfolg, das Verbot wurde aufgehoben.

Trotz dieses Erfolges blieb die Capoeira jedoch am Rande der Gesellschaft. Die Schulen fanden zwar viel Zulauf, jedoch waren es überwiegend die Farbigen der Favelas, der Armenviertel, die die Schulen besuchten. Erst in den letzten zwanzig Jahren interessierten sich auch die Weißen Brasiliens für Capoeira und seit einigen Jahren verbeitet sich die Capoeira auch in Europa und Nordamerika.

 

Dieser kurze Abriss der Geschichte der Capoeira folgt im Wesentlichen der Darstellung in "Capoeira
Die Kultur des Widerstandes" von Dirk Hegemanns
. Da über die Capoeira nicht viele schriftliche Quellen existieren, unterscheiden sich die Erklärungen in den Büchern teilweise sehr stark. Diese Darstellung entspricht auch den Erzählungen der Mestres João Pequeno und Miguel.



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